Die Wut der indischen Bauern

11. Dezember 2020 Posted by Magdalena Zimmermann 11Dec

Die Straßen Neu-Delhis sind voll. Mehrere Millionen Bauern versammeln sich um gegen die neuen Agrarreformen der Regierung zu demonstrieren. Die Proteste ziehen sich bereits seit drei Monaten und wiederum seit über zwei Wochen machen sich mehr und mehr Menschen auf den Weg in die Hauptstadt Neu-Delhi. Aber warum das Ganze?Foto: Twitter/@ibuibu_nk


Die neue Agrarreform soll laut der Regierung einen freieren Wettbewerb ermöglichen und zukunftsorientierter sein. Damit stößt er aber Millionen von Klein- und Mittelbauern vor den Kopf. Sie haben große Sorge, dass sie auf dem freien Markt weiter in die Armut rutschen und befürchten, dass Konzerne nach der geplanten Deregulierung des Marktes die Preise drücken würden. Somit würden zahlreiche Existenzgrundlagen zerstört werden. Auch die bisherigen Zwischenhändler, die sogenannten Mandis, würden laut den neuen Reformen abgeschafft werden. Bisher nahmen sie die Vermittlerrolle zwischen Bauern und Konzernen ein und sorgten dafür, dass der staatlich regulierte Mindestpreis eingehalten wurde. Die Landwirte bekamen ihr Geld direkt von den jeweiligen Mittelmännern und waren somit nicht auf die Nachfrage der großen Konzerne angewiesen.

Gursevan und Sahil, zwei Wiener mit Wurzeln in Punjab, erzählen uns, dass es in Indien eine kleine Anzahl an sehr reichen Familien gibt, die nahe zur Regierung stehen würden. Diese Familien wollen laut ihnen nun auch im Agrarsektor ihre Macht demonstrieren und somit wird nun, durch die neuen Reformen, Druck auf die kleinen Landwirte Indiens ausgeübt. Sie haben auch Bekannte und Verwandte vor Ort, die an den friedlichen Demonstrationen teilnehmen und ihnen täglich von der Lage dort berichten.

„Die Grundrechte der Demonstrierenden werden dort täglich verletzt. In einer Demokratie gibt es ein Recht auf Protest, dies müssen sich die Bauern nun erkämpfen und werden von Seiten der Polizei immer wieder aufgehalten.“, erzählt uns Gursevan.

Nun treibt es zahllose Bauern auf die Straßen Indiens, um gegen die neuen Agrarreformen zu demonstrieren. Da der friedliche Protest in den Staaten Punjab und Haryana von Seiten der Regierung unbeantwortet blieb, bewegen sich die Bauern nun Richtung Hauptstadt. Mit dabei Proviant für sechs Monate. Die Landwirte sind auf einen langandauernden Protest vorbereitet. Auf dem Weg herrscht ein immenses Polizeiaufkommen. Versperrte Autobahnen, Stacheldraht und Tränengas sind nur einige der Hürden, die die Demonstranten zu bewältigen haben.

Die Bauern Indiens stehen bereits seit langer Zeit unter Druck und kämpfen seit Jahren ums Überleben. Während der ersten Welle der Covid-19 Pandemie im Frühjahr konnten zahlreiche Wanderarbeiter nicht zu ihrer Arbeit gelangen. Die Ernte verfaulte teils auf den Feldern. Im Jahr 2016 begannen im Schnitt täglich vier Landwirte, in der größten Demokratie der Welt, Suizid. Seit vier Jahren werden dazu keine Zahlen mehr veröffentlicht.

Die Lage in Indien bleibt ernst. Die indische Community in Wien will auf die Menschenrechtsverletzungen aufmerksam machen und veranstaltet am kommenden Samstag eine Demonstration. Treffpunkt ist der Parkplatz am Donaupark um 12:00. Danach wird ein Autokonvoi zum Praterstern über die Brigittenauerbrücke und wieder zurück führen.

Source: https://www.dasbiber.at/blog/die-wut-der-indischen-bauern

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