Marsch auf auf die Hauptstadt: Bauern haben die Schnauze voll!

Neu Delhi (Indien) – Mit der Blockade großer Einfallstraßen nach Neu Delhi haben am Samstag Tausende Bauern ihre wochenlangen Proteste gegen eine Deregulierung der Landwirtschaft fortgesetzt. Viele Landwirte kampieren bereits seit zwei Wochen an den Stadträndern der indischen Hauptstadt, und täglich kommen weitere vor allem aus Haryana, Rajasthan und Pandschab hinzu. In den vergangenen Monaten kam es auch schon zu Protesten der Bauern (TAG24 berichtete).

Viele Bauern kampieren an den Stadträndern Delhis, um ihrem Protest Ausdruck zu verleihen.
Viele Bauern kampieren an den Stadträndern Delhis, um ihrem Protest Ausdruck zu verleihen.  © Altaf Qadri/AP/dpa

Premierminister Narendra Modi versicherte den Bauern, die eine starke Wählerschaft stellen, dass der Regierung ihr Wohlergehen am Herzen liege.

Die Reformen würden Investitionen in die Landwirtschaft anstoßen und den Bauern zugutekommen, sagte er beim Jahrestreffen der indischen Handelskammer.

Die Bauernverbände haben zu einem “Marsch auf Delhi” aufgerufen, um die Agrarreform zu Fall zu bringen, nachdem mehrere Verhandlungen mit der Regierung gescheitert waren, wie der Fernsehsender NDTV berichtete.

Die Polizei, die die ersten Protestzüge am 26. November vor der Metropole gestoppt hatte, wurde massiv verstärkt und baute Barrieren, um die Bauern am Weiterziehen zu hindern. Anzeige

Indische Bauern protestieren gegen die Deregulierung der Landwirtschaft.
Indische Bauern protestieren gegen die Deregulierung der Landwirtschaft.  © Altaf Qadri/AP/dpa

Bauern befürchten Preisverfall

Das Protestforum der Bauernverbände AIKSCC will vor allem drei im September beschlossene Gesetze zu Fall bringen, die nach seiner Einschätzung das Einkommen der Landwirte drücken und die Gewinne großer Agrarkonzerne steigern würden. Modi argumentiert, die Gesetze würden die Bauern von antiquierten Marktordnungen befreien und ihnen bessere Preise auf dem freien Markt ermöglichen.

In Indien wird Getreide in staatlich organisierten Großmärkten bisher zu garantierten Mindestpreisen gehandelt. Nun sollen die Bauern ihre Ware ohne Mittelmänner auch direkt an Privatfirmen verkaufen können. Die Bauern befürchten einen Preisverfall, weil sie in Verhandlungen mit den Agrarkonzernen in einer schlechten Position wären.

Die Landwirtschaft trägt rund 15 Prozent zur indischen Wirtschaftsleistung bei und ist Lebensgrundlage für rund 58 Prozent der 1,3 Milliarden Einwohner des Landes. Viele Bauern stehen wirtschaftlich stark unter Druck und befürchten, im freien Wettbewerb ganz vom Markt gedrängt zu werden.

Source: https://www.tag24.de/thema/aus-aller-welt/bauern-proteste-in-indien-setzen-sich-fort-marsch-auf-neu-dheli-1759029

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